Vorgängerprojekt NINJA (2012-2014)

NIA baut im Kern auf Erfahrungen, Strukturen und Erfolge des NINJA-Projektes im XENOS-Programm auf. Während jedoch das NINJA-Projekt in den Jahren 2012 bis 2014 auf junge Strafgefangene und den Prozess des Übergangsmanagements nach der Haftentlassung konzentriert war, liegt der Schwerpunkt bei NIA in der Unterstützung junger Menschen im Zuständigkeitsbereich der Bewährungshilfe oder der Jobcenter.

„NINJA – Netzwerk Integration für junge Inhaftierte und Haftentlassene in Ausbildung und Arbeit“, wurde gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds. Erklärtes Ziel des vom Mittelhessischen Bildungsverband e. V. getragenen Projekts war es, die Übergangsstrukturen deutlich zu verbessern sowie die soziale und die Arbeitsmarktintegration junger ehemaliger Inhaftierter nachhaltig zu unterstützen.

NINJA in Zahlen und Fakten

Im Rahmen des NINJA-Projektes wurden 244 Gefangene und Haftentlassene unterstützt. Für 199 Personen liegen auswertbare Ergebnisse vor.

Bedarfe bei den Teilnehmenden:

97 % - Unterstützung zur finanziellen Absicherung (193 TN)
93 % - Unterstützung bei Ämterangelegenheiten (185 TN)
84 % - Unterstützung im Bereich Ausbildung und Schule (167 TN)

Diese oben genannten Aufgaben sind in erster Linie mit Behördengängen und bürokratischen Vorgängen verbunden.

Darüber hinaus konnte NINJA wesentliche Erfolge leisten bei der Anbindung an Hilfesysteme und insbesondere bei der Vermittlung in Ausbildung, Schule oder Arbeit sowie bei der Suche nach geeignetem Wohnraum. Zur Erledigung dieser Aufgaben waren durchschnittlich sieben bis acht Integrationscoaches (dies entspricht 3,5 bis 4,5 Stellen) im hessenweiten Projektgebiet tätig.

 

Was NINJA erreicht hat:

  • Individuelle Förderung und Unterstützung der Reintegration von Strafgefangenen sechs Monate vor und bis zu sechs Monate nach Haftentlassung durch Integrationscoaches. Diese von NINJA entwickelten Instrumentarien für die Entlassungsvorbereitung werden von den Justizvollzugsanstalten weitergeführt.
  • Gründung eines „Unternehmernetzwerkes Rhein-Main“ zur Gewinnung von Ausbildungs- und Arbeitsplatzangeboten für Haftentlassene sowie zur gegenseitigen Unterstützung und zum Informationsaustausch mit den Arbeitgebern. Diese Netzwerk bildet eine Grundlage für die Etablierung des Unternehmensnetzwerkes und Kooperationsverbundes in NIA.
  • Verbreitung und Bündelung von Informationen durch den Aufbau eines hessenweiten Adress- und Informationsportals zu allen Themen, Anlaufstellen und Aspekten des Übergangsmanagements. Das Portal „Aufbruch Hessen" wird im Rahmen von NIA weitergeführt.
  • Etablierung regionaler „Expertenrunden Integration“ zur besseren Verzahnung, Kooperation und Information der vielen unterschiedlichen am Übergangsmanagement beteiligten Akteure innerhalb und außerhalb der Strafanstalten (Soziale Dienste der Justiz, Bewährungshilfe, Jobcenter, Arbeitsagentur, Jugendamt und weiterer Akteure des Übergangs). Dieses Netzwerk bildet ebenfalls eine Grundlage für die Etablierung des Unternehmensnetzwerkes und Kooperationsverbundes in NIA.

Ein großer Erfolg von NINJA: Institutionenübergreifender Austausch und Vernetzung

Die vielen Institutionen und Personen des Übergangsmanagements sehen sich bislang häufig damit konfrontiert, dass ihre Handlungsmöglichkeiten auf ihre jeweiligen Ressorts begrenzt sind und wenig strukturell angelegter Austausch stattfindet. So kann eine Jobcentermitarbeiterin nicht einfach in eine Haftanstalt zur Beratung gehen, ein Inhaftierter aber auch nicht eben zum Bewerbungsgespräch nach draußen kommen – und bei den Haftanstalten endet die Zuständigkeit mit dem Tag der Haftentlassung.

NINJA gelang es, durch die Etablierung von verlässlichen und für alle Akteure nachvollziehbaren Netzwerkstrukturen die jeweils für sich sehr gut arbeitenden Bereiche zusammenzuführen und so die Gestaltung des Übergangs zu verbessern. Mit den „Expertenrunden Integration“ in den verschiedenen Regionen Hessens wurden erstmals alle Beteiligten an einen Tisch geholt. Die institutionenübergreifende Zusammenarbeit führte zur gemeinsamen Erarbeitung fallbezogener Lösungen und zu neuen Erkenntnissen der einzelnen Akteure über die jeweils anderen institutionellen (Arbeits‑) Hintergründe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Auch die Mitarbeitenden der Bewährungshilfe konnten so neue Einblicke in die Arbeit der Sozialen Dienste der Justiz und der Werkmeister in den Ausbildungsbetrieben einer JVA gewinnen – und anders herum genauso. Die große Bereitschaft aller Beteiligten für diese neuen Wege, allen voran der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalten, hat schon sehr vieles bewegt. Unterstützend wirkt auch die Tatsache, dass sich die Justiz-, Arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Akteure des Landes Hessen mit der Vereinbarung über die „Integration von Strafgefangenen in Hessen“ von 2011 darauf geeinigt haben, die Integration von Strafgefangenen als gemeinsame Aufgabe zu begreifen. Es wurden in allen Bereichen Ansprechpartnerinnen und -partner (Justizvollzugsanstalten, Arbeitsagenturen, Jobcenter u. a.) benannt, die eine Zusammenarbeit der Institutionen absichern sollen.

 

Weitere Informationen in der Xenos-Broschüre: Neue Wege für junge Straffällige, Strafgefangene und Haftentlassene