Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen

Eine bundesweite Rückfalluntersuchung

„Rückfallprävention ist eine der wichtigsten Aufgaben des Strafrechts.“ Mit diesen Worten beginnt die 2010 durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) herausgegebene Rückfalluntersuchung. Ob Rückfallprävention gelingt, lässt sich anhand von Rückfalldaten beurteilen. Zur Erhebung dieser Daten wurden das Max-Plank-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht und die Abteilung für Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug der Universität Göttingen beauftragt. Gegenstand der Untersuchung ist die Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen im Zeitraum von 2004 bis 2007. Da die Untersuchung sich auf Eintragungen ins Bundeszentralregister bzw. Erziehungsregister konzentriert, handelt es sich um eine Vollerhebung im Untersuchungszeitraum. Dieser Zeitraum wurde durch eine zweite Erhebung (2007 bis 2010) verlängert.

Das entstandene Dokument bietet auf gut 200 Seiten detailliert Informationen zu allen Sanktionen sowohl insgesamt, als auch differenziert nach verschiedenen Deliktgruppen. Dabei werden Daten über Rückfallraten nach der Art und dem Umfang der Sanktionen ebenso dargestellt, wie nach Alter, Geschlecht, Nationalität und strafrechtlicher Vorbelastung. Das Dokument liefert damit umfangreiche Daten für die Einordnung oder weitergehende Untersuchung von Faktoren der Legalbewährung und Rückfallprävention.

Zu den wesentlichen Ergebnissen der Untersuchung gehören unter anderem folgende:

  • Die meisten strafrechtlich sanktionierten Personen wurden im Untersuchungszeitraum nicht erneut strafrechtlich geahndet. Innerhalb des Risikozeitraums von drei Jahren tritt nach der strafrechtlichen Sanktionierung oder Haft nur etwa jeder Dritte wieder straffällig in Erscheinung.
  • Die überwiegende Mehrheit der Rückfalltaten findet innerhalb der ersten drei Jahre nach der rechtlichen Sanktionierung oder Entlassung statt. Auffällig ist dabei, dass im ersten Jahr etwa die Hälfte der Straftaten begangen wird. Innerhalb des Untersuchungszeitraumes von sechs Jahren werden 44% mit erneuten Straftaten auffällig. Dies entspricht einem Anstieg von nur 9% gegenüber dem dreijährigen Untersuchungszeitraum. Legalbewährung ist daher insbesondere in der ersten Zeit nach der strafrechtlichen Sanktionierung oder Haftentlassung von besonderer Bedeutung.
  • Erneute Straffälligkeit ist in den meisten Fällen nur in geringer Schwere. Dadurch liegen die strafrechtlichen Folgen überwiegend im Bereich der Bewährungsstrafe und nicht der Freiheitsentziehung. Nur 4% der Verurteilten oder aus der Haft Entlassenen wurden im Untersuchungszeitraum zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt.
  • Alter und Geschlecht haben eine große Bedeutung für die Rückfallrate. Frauen werden in geringerem Maße rückfällig als Männer. Junge werden mit höherer Wahrscheinlichkeit erneut straffällig als Alte.
  • Es besteht ein statistischer Zusammenhang zwischen den angewendeten Sanktionsformen und dem Rückfallrisiko. Haftentlassene haben eine deutlich höhere Rückfallrate, als zu Bewährungsstrafen Verurteilte.
  • Entlassene Strafgefangene werden zwar überwiegend erneut straffällig. Die Sanktionierung der Folgetat führt aber nur bei etwa der Hälfte zu erneutem Freiheitsentzug.

 

Die Untersuchung können Sie unter auf der Website des BMJV hier herunterladen.

Die Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse mit dem Untersuchungszeitraum 2007 bis 2010 finden Sie auf der Seite des BMJV hier.